Problemstellung:
Brücken im Ahrtal haben eine vergleichsweise kurze Lebensdauer. Ursachen sind v.a. die Unterspülung von im Flußbett stehenden Pfeilern sowie die Verklausung (Verstopfung) des Brückendurchlasses durch Treibgut (v.a. Eis, Baumstämme, Fahrzeuge). Unterspülte Pfeiler knicken ein oder um und lassen im schlimmsten Fall die Brücke einstürzen. Bei der Verklausung wird das Wasser aufgestaut und führt dadurch zunächst flußaufwärts zum Anstieg des Pegels. Hält die Brücke dem Druck des gestauten Wassers und der Strömung nicht mehr stand, entsteht nach dem Brückeneinsturz talabwärts eine u.U. mehrere Meter hohen Flutwelle.

Lösungsmöglichkeiten:
– Bau von Betonbrücken großer Höhe und grosser Spannweite mit außerhalb des Hochflutbettes liegenden Pfeilern. Aufgrund der hohen Baukosten sind solche Brücken nur bei Strassen oder Eisenbahnlinien mit überregionaler Bedeutung sinnvoll .
– Verschiedentlich wurde in diesem Forum der Vorschlag gemacht, Klappbrücken nach den bekannten holländischen Vorbildern zu installieren. Vorteil: Fahrbahn und Brückengeländer können innerhalb von Minuten aus dem Gefahrenbereich gebracht werden. Problem: bei einseitigen Brücken ragt die Hebekonstruktion weit in die Luft (die Höhe einer der Behelfsbrücke in der Landgrafenstrasse analogen Klappbrücke würde hochgeklappt mehr als 50 m betragen!) und ist damit im Stadtbild nicht unbedingt ästhetisch, ganz abgesehen von Problemen der Standfestigkeit. Eine zweiteilige Klappbrückenkonstruktion halbiert zwar die Hubhöhen, die Belastbarkeit der Fahrbahn in der Brückenmitte ist aber geringer. Schmale zweiteilige Klappbrücken kämen daher eher für Fußgänger-/Radfahrerbrücken in Betracht.
– Hubbrücken, bei denen die Fahrbahn oder die Eisenbahntrasse an 4 Pylonen (Pfeilern) in die Höhe gezogen wird, gibt es seit Erfindung der Eisenbahn. Vornehmlich wurden und werden sie gebaut, um Schiffen mit hohen Aufbauten die Durchfahrt durch Hafeneinfahrten und Kanälen zu ermöglichen. Auch sie können innerhalb von Minuten hochgezogen werden. Im Hochwasserschutz werden sie bislang nur vereinzelt installiert. Vorteil der Hubbrücken ist die vergleichsweise geringe Bauhöhe der Pylonen bei beliebiger Spannweite der Brücke. Eine Hubbrücke in Bad Neuenahr müßte nur etwa 5-6 m in die Höhe gezogen werden, um einen Hochwasserabfluß mit dem Scheitel von 2021 einschließlich Risikozuschlag für im Wasser treibende Fahrzeuge etc. zu ermöglichen. Wie z.B. die Hochwasser-Hubbrücke über die Salzach in Mittersill/Österreich zeigt, können derartige Brücken ästhetisch anspruchsvoll gestaltet werden und sich gut in das Stadtbild einfügen.
– Für passagere Ahrübergänge für Fußgänger und Radfahrer z.B. im Rahmen von Festivals, Gartenschauen etc. empfehlen sich Konstruktionen aus Floating Pontons aus schlagfestem Kunststoffen, die bei Hochwassergefahr schnell aus dem Flussbett gezogen oder gehoben werden können.