Der Hochwasserschutz an der Ahr und ihren Zuflüssen als Gewässer 2. bzw. 3. Ordnung leidet an der Vielzahl der involvierten Ministerien, Behörden und Beratungsgremien (u.a. Innenministerium, Umweltministerium, SGD Nord Regionalstelle Koblenz, ADD Trier, Landesamt für Umweltschutz, KKH, IBH, Kreisverwaltung, Kommunalverwaltungen, Hochwasserpatenschaft „Ahr“). Ausserhalb der Behörden möchten Naturschutzorganisationen, Bachpatenschaften, Landwirte, Forstbesitzer, Angler, Winzer beim Hochwasserschutz gehört werden.
Die Folge dieses Organisationschaos: In den letzten 20 Jahren wurde Geld fast ausschließlich für teilweise langwierige Renaturierungsvorhaben, nicht aber für den Hochwasserschutz ausgegeben. Nach Rückbau zahlreicher Flusswehre hatten z.B. bis Mitte Juli Fische ihren eigenen, 68 km langen Rotweinwanderweg. Das 2007 (!) initiierte größere Projekt „Obere Ahr/Hocheifel“ war bei Eintritt der Flutkatastrophe noch nicht vollständig abgeschlossen. Die Entwicklung der letzten Wochen läßt befürchten, dass man an der Ahr nicht viel gelernt hat: Da das Landeswassergesetz den Eigentümern der Fluss- und Bachgrundstücke das Recht zubilligt, nach einem Hochwasser den ursprünglichen Gewässerzustand wiederherzustellen, wird vielerorts schon fleissig, aber nicht unbedingt koordiniert gebuddelt.

Aber es geht auch anders: Sowohl in Nordrhein-Westfalen (Issel) wie auch in Baden-Württemberg (Allgäu, Neckarzuflüsse) haben sich teilweise schon vor Jahrzehnten erfolgreich Zweckverbände für Hochwasserschutzprojekte konstituiert. An der Ahr könnte ein derartiger Zweckverband wie folgt aussehen: Die beteiligten Städte und Kommunen erhalten ein Stimmrecht entsprechend ihres Gewässeranteils. Beratend ohne Stimmrecht werden Interessenvertreter von Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Naturschutzverbänden und Weinbau tätig. Nach Konstitution des Zweckverbandes wird zunächst ein hydrologisches Gutachten für den gesamten Ahreinzugsbereich vergeben. In diesem Gutachten müssen Wasserabflüsse und Risiken für die drei häufigsten Hochwasserursachen (Frühjahrshochwasser nach Schneeschmelze, weiträumiger langanhaltender Starkregen und kleinräumiger, kurz anhaltender Extremregen), aber auch extreme Dürreperioden berechnet und verschiedene Rückhalte-/Speichermassnahmen simuliert werden. Auf der Basis dieses Gutachtens entscheidet der Zweckverband über Baumassnahmen und Eingriffe in Naturräume und fordert die Fördergelder an. Bei der Ausschreibung sollten die Gewerke so formuliert werden, dass möglichst keine europaweite Ausschreibung erforderlich wird und heimische Bau- und Lohnunternehmer bevorzugt werden können. Die später anfallenden Unterhaltskosten für die Bauwerke werden nach dem Gewässeranteilschlüssel auf die Kommunen und Städte verteilt.
Personalkosten können dadurch gespart werden, dass alle Verbandsvertreter ehrenamtlich tätig werden. Im Hochwasserzweckverband sollten auch die Ahrkommunen aus NRW vertreten sein (das ist durchaus möglich, der Kreis Ahrweiler und der Kreis Neuwied sind z.B. Mitglied im nordrhein-westfälischen Entsorgungszweckverband REK). Wünschenswert wäre darüberhinaus, dass die Gewässerpflege dauerhaft eine kommunale, ständige Aufgabe wie Strassenreinigung und Winterdienst wird. Nur so kann im Ahreinzugsgebiet das Hochwassser-Verklausungsrisiko durch Einschwemmung von umgestürzten Bäumen, Strauchwerk und Totholz wirksam gesenkt werden.