Wir haben jetzt die Chance ein neues Tal aufzubauen, wo man im Einklang mit der Natur leben kann. D.h. der Ahrlauf sollte nicht wieder in die alte Rinne zurückgedrängt werden, sondern man sollte sie weitestgehend so bestehen lassen wie der Fluß es sich zurückgenommen hat. Zukunft bedeutet auch besser ausgebaute Fahrradwege und nicht so enge wie in der Vergangenheit. Wir sollten die Natur schätzen lernen und dies könnte auch die Zukunft für unseren Tourismus sein. Die alte Generation wird vermutlich in den nächsten Jahren nicht mehr nach Bad Neuenahr-Ahrweiler kommen, da die perfekt angelegten Parkanlagen zerstört wurden. Aber müssen die Parkanlagen wieder so perfekt und nicht naturgetreu aufgebaut werden? Wir müssen jetzt die jüngere Generation ansprechen für unser Tal. Das ist unsere Zukunft. Wir haben bei unseren bisherigen Helfern, vorwiegend junge Menschen, die aus ganz Deutschland zu uns gekommen sind, immer wieder gehört, dass ihnen das Ahrtal überhaupt nicht bekannt war. Sie aber von diesem Tal jetzt so begeistert waren, vor allen Dingen von unserer Frohnatur, das sie zukünftig überlegen werden, hier einen Teil ihres Urlaubes zu verbringen. Diese junge Generation möchte aber keine perfekt angelegten Parkanlagen haben, sie möchten “ Back to basic“, sie möchten die Natur erleben und keine Dahlien bestaunen. Das Tal hat durch die Flutkatastrophe ein ganz neues Erscheinungsbild erhalten und dies könnte man einfach mal so annehmen und belassen. Wir dürfen nicht wieder den gleichen Fehler machen und so stark in die Natur eingreifen.
Damit der Tourismus schnell anlaufen kann, würde ich Wohnmobilstellplätze so schnell wie möglich anlegen. Die bisherigen Plätze z.B. am Ahrstadion in Bad Neuenahr oder in Bachem, waren sehr eingeschränkt und hässlich. Wohnmobilurlauber sind oft Naturliebhaber und schätzen die Umgebung. Auf einem Wohnmobilstellplatz gehört immer eine Ver- und Entsorgungsstation, die es z.B. in Bachem nicht gegeben hat.
Ich bewege mich innerhalb der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler überwiegend mit dem Fahrrad und dies auch schon vor der Katastrophe. Die Fahrradwege waren nicht gut ausgebaut, sehr eng und teilweise kaputt. Auf der Autostraße hatte man überhaupt keine Chance als Fahrradfahrer. Daher muss dies unbedingt in die Zukunftsplanung einfließen. Wir sollten mehr Menschen aus dem Auto auf das Fahrrad bekommen und das geht nur mit einem gut ausgebauten Fahrradwegsystem. Vielleicht einfach mal in die Niederlande schauen, wie man so etwas machen kann.
Mit freundlichen Grüßen
Jörg Winkler