Mittelstands- und Wirtschaftsunion
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07. September 2021

Zukunftskonferenz Kreis Ahrweiler

Sehr geehrte Damen und Herren,

zum Thema Hochwasserschutz von unserer Seite ein paar Gedanken als Anstoß und zur kritischen Begleitung dessen, was die für das Gewässer der Ahr verantwortliche SGD Nord erarbeiten wird.

1.
Die Gewässerverantwortung liegt für die Ahr zweifellos bei der SGD Nord. Für die ihr zuströmenden Bäche dürfte sie jedoch aller Voraussicht nach bei den Verbandsgemeinden oder verbandsgemeindefreien Gebietskörperschaften liegen, da es sich dabei wohl um Gewässer der III. Ordnung handeln dürfte.

2.
Die Ursache für das jüngste Ahrhochwasser war wohl nicht ein Starkregenereignis, sondern ein Dauerregen. Deshalb dürften m.E. Regenrückhaltebecken, die von verschiedenen Stellen schon angesprochen wurden, nicht die einzige Lösung darstellen. Denn bei Starkregenereignissen fallen in kurzer Zeit sehr großen Menge Wasser an, sodass ein Aufhalten zur Dosierung des Abflusses der großen Menge des Wassers zum Erhalt der Leistungsfähigkeit der angeschlossenen Wässer und Kanäle Sin macht.
Das genügt aber m.E. nicht bei einem Dauerregenereignis, wie es sich bis zum 14./15.07.2021 kumulierte.

3.
Gleichgültig, ob es sich um ein Starkregenereignis oder um ein Dauerregenereignis mit gegebenenfalls anfallenden großen Regenmengen handelt, ist nach meiner Ansicht die Abflussgeschwindigkeit der aufnehmenden Gewässer von entscheidender Bedeutung.
Hier wird man vor allem den „grünen“ Ansatz überdenken müssen, ob und vor allem in welchem Umfang man eine Begrünung der Bach- und Flussufer zulässt. Denn es dürfte nicht zu bestreiten sein, dass eine solche Begrünung den Abfluss des Wassers hemmt und zu einer Staubildung beiträgt. Andererseits darf der Druck durch die Abflussgeschwindigkeit nicht so hoch werden, dass eine Zerstörung der dafür eingerichteten Bauwerke zu befürchten ist.

4.
Zahlreiche Fotos und Luftbildaufnahmen belegen, dass es an den schmalen Talzuschnitten der Ahr und vor allem an Brücken zu Stauungen des abfließenden Wassers gekommen ist, und zwar durch mitgerissenes Totholz, entwurzelte oder schon umgefallene Bäume, zu nahe an dem Bach angepflanzte oder natürlich gewachsene Sträucher, die die Brückendurchlässe verstopft und dadurch zu einem Aufstauen des Wassers beigetragen haben. Denn dadurch hat sich die Ahr als nächstes den Weg rechts und links der Brückenbauwerke gesucht und zu ersten Überspülungen der ufernahen Bebauung geführt.

Bei Starkregen und bei Dauerregenereignissen, wie es am 14./15.07.2021 zu beobachten war, schwellen kleine Bäche zu Flüssen an und entwickeln extreme Strömungskräfte entlang ihrer Fließwege und reißen alles mit, was sich Ihnen in den Weg stellt oder im Weg liegt. So transportieren sie große Mengen an Treibgut, je nach Jahreszeit Heu- und Silageballen, Polderholz, Autos und Gartenhäuser etc.. Ackerböden und Wirtschaftswege werden erodiert. Das mitgerissene Material lagert sich als Schlamm in den Ortschaften und den Häusern ab. Es verstopft die Kanalisation und fließt oberirdisch weiter und dringt von außen in die Keller und Wohnungen ein.

Der Schaden ist, wie am 14./15.07.2021 bewiesen wurde, enorm hoch, weil Hausrat, Gebäudetechnik und Versorgungsleitung unbrauchbar und Menschen und Tiere gefährdet werden. Durch freigesetztes Heizöl und Fäkalien wird die Umwelt erheblich belastet, und es entstehen enorme Folgekosten.

Es ist daher m.E. erforderlich, bereits die Einzugsgebiete der in die Ahr mündenden Bäche, sofern nicht schon vorhanden, zu erfassen und die dort bei Stark- und vor allem Dauerregenereignissen anfallenden Wassermengen zu ermitteln. Vor allem bei Dauerregen sind die Böden in der Regel übersättigt und nehmen kein weiter zugeführtes Wasser mehr auf, sodass nicht nur bei Starkregenereignissen, sondern auch bei Dauerregenereignissen das Wasser beginnt, über die Oberflächen zu fließen. Gerade bei Dauerregen fallen über längere Zeit große Wassermengen an, für die eine Zurückhaltung allein nicht mehr ausreichen dürfte. Da eine Versickerung nicht mehr gewährleistet ist, wird man wohl nach meiner Auffassung nicht umhinkommen, die Abschlusskapazität vor allem der Ahr zu vergrößern. Ein Abschlagen des Wassers in andere Richtungen außerhalb von Ortslagen ist zwar denkbar. Aber der Bachlauf dürfte sich nicht zufällig seinen Platz gefunden haben, sondern das Ergebnis topographischer Gegebenheiten sein, sodass nicht auszuschließen sein dürfte, dass selbst abgeschlagenes Wasser seinen Weg wieder in die Bäche finden wird.

Eine Verbreiterung und / oder eine Vertiefung des Flussbettes der Ahr könnte zu einer Erhöhung der Abflusskapazität beitragen und die Errichtung von anhebbaren oder schwenkbaren Brücken ein Aufstauen vor ihnen verhindern. Zugleich würden die Bauwerke selbst nicht einem zerstörenden Wasserdruck ausgesetzt.

Auf Grund des Sammeleffektes über die Länge der Ahr bis zur Rheineinmündung muss ihre Kapazität im Verlauf dieser Wirkung angepasst werden.

Eine Verstärkung der Gewässerunterhaltung dürfte unverzichtbar sein. Dazu sollte es gehören, Objekte, die im Hochwasserfall von Wassermaßen abgeschwemmt werden können, am und in einer bestimmten Entfernung zum Gewässerbett nicht mehr zuzulassen. Dazu zählen z.B. Grünschnitte, gelagertes Holz, Kompostbehälter, Gartenhäuser, Tanks jeglicher Art, Spielgeräte etc.. Campingplätze sollten von den Bächen und der Ahr einen gewissen Mindestabstand einhalten müssen und auch bei Dauerregenereignissen nach einem Alarmplan frühzeitiger geräumt werden.

Um eine Verschlammung des Wassers zu verhindern, sollten in der Talzone Ackerflächen in Grünland umgewandelt werden.

Meines Erachtens sollte somit zeitnah ein Gesamtkonzept zwischen den bach- und flussanliegenden Gemeinden und der SGD Nord als Verantwortliche für die Ahr diskutiert und zu erarbeitet werden. Es sollte allerdings auch deutlich gemacht werden, dass es einen 100 %-igen Hochwasserschutz nicht geben dürfte. Dafür müssen effiziente und wirksame Warn- und Alarmkonzepte und -systeme entwickelt und bestehende verbessert werden.
Ich gehe davon aus, dass Ingenieure berechnen können, wie groß die Überschwemmungsbereiche rechts und links der Ahr je nach Anfallen der Wassermenge (Niederschlagsmenge/Zeit) und der Topographie sein werden, sodass diese in einen Alarmplan eingearbeitet werden können.

Zum Schluss eine „Idee“ für die VG Altenahr, die mir bei Ansicht der anliegend beigefügten Karte über den Verlauf der Ahr von vor Kreuzberg bis Mayschoss gekommen ist und zumindest theoretisch eine Lösung für Kreuzberg, Altenburg und Altenahr darstellen könnte:
Eine zusätzliche Verrohrung der Ahr oder offene Führung, falls topographisch möglich, für den Hochwasserfall im Sinne eines Abschlages vor Kreuzberg über die Ahrschleife bei Altenahr bis zu der Schleife vor Lochmühle (Entfernung ca. 3 km, falls der angezeigte Kartenmaßstab stimmt).

Mit freundlichen Grüßen

Elmar Lersch
Vorsitzender