Das Ahrhochwasser 2021 hat oberhalb von Walporzheim die Trasse, Brücken und Signaleinrichtungen der Ahrtalbahn fast vollständig zerstört. Zwischen Walporzheim und Remagen ist seitens der DB eine Reparatur der Strecke bis Ende 2021 in Aussicht gestellt worden. Quer durch alle Fraktionen fordern Politiker einen Wiederaufbau und Ausbau der gesamten Strecke einschließlich Elektrifizierung, teilweise auch die Verlängerung der Strecke bis Adenau oder Trier. Aber ist das auch sinnvoll?
Nein, wie schon in den Anfangszeiten der Ahrtalbahn Ende des 19. Jhdts. ist die Rentabilität nicht gegeben. Im Einzugsbereich einer wiederaufgebauten und erweiterten Ahrtalbahn leben lediglich etwa 53.000 Menschen. Aus historischen Gründen liegen die Bahnhöfe in den beiden Hauptorten Bad Neuenahr und Ahrweiler ausserhalb der Stadtzentren, der Schulen, Kliniken und der Kuranlagen, was für Bahnkunden längere Fusswege bedeutet. Im gesamten Ahrtal gibt es keine produzierende Industrie, die einen Bahnanschluß für den Güterverkehr rentabel macht.
Oberhalb von Walporzheim müsste die Ahrtalbahn komplett neu geplant werden. Hochwassersichere Trassierung, Kunstbauten, Elektrifizierung, digitale Signal- und Stellwerkstechnik, Renovierung der Bahnhöfe würden Kosten in Milliardenhöhe verursachen und, wie Projekte wie Stuttgart 21 oder BER zeigen, u.U. viele Jahre dauern.
Selbst bei einem schnellen und optimalen Ausbau der Strecke können im mittleren und oberen Ahrtal aufgrund der engen Kurvenradien keine hohen Geschwindigkeiten gefahren werden, so dass lange Fahrzeiten resultieren. Der Aus- und Einpendlerverkehr aus dem Ahrtal konzentriert sich überwiegend auf Bonn und die kleineren Städte im Umland, die vom Ahrtal über ausgebaute Bundesstrassen und die A61/A565 bei normalen Verkehrsverhältnissen mit dem Pkw/Bus sehr viel schneller zu erreichen sind als über den Umweg über die Rheinschiene Remagen-Oberwinter-Rolandseck-Mehlem-Bad Godesberg.
Wander-, Radfahr- und Campingtouristen aus dem benachbarten NRW und den Niederlanden reisen in der Regel mit dem eigenen Pkw an, nicht zuletzt deshalb, um auf dem Heimweg noch das eine oder andere Kistchen Wein mitzunehmen.

Ein ÖPNV im Ahrtal und der Umgebung auf der Basis umweltfreundlicher Busse hätte demgegenüber viele Vorteile. Eine eigene Trasse wäre nicht erforderlich, das vorhandene Strassennetz wird mitbenutzt, Kunstbauten sind nicht erforderlicht. Innerhalb des Ahrtals können Schulen, Kliniken, touristische Hot Spots, Ortszentren punktgenau angefahren werden. Von Altenahr, Ahrweiler und Bad Neuenahr ausgehende Schnellbuslinien können Pendler direkt und zeitsparend in die Stadtzentren von Bonn, Rheinbach, Meckenheim, Euskirchen fahren. Auf Änderungen der Verkehrsinfrastruktur und der Kundenwünsche kann ein busgestützter ÖPNV unmittelbar reagieren.
Die Busflotte sollte aus Brennstoffzellen-Fahrzeugen aufgebaut werden, die nur Wasser als „Schadstoff“ emittieren. Diese sind zwar mit aktuell 600.000 Euro Anschaffungskosten nicht gerade ein Schnäppchen, aber doch um ein vielfaches billiger als Schienenfahrzeuge. Die Betankung mit Wasserstoff dauert nur wenige Minuten, so dass derartige Busse auch im Katastrophenfall für Evakuierungen genutzt werden können. Als Heimatstandorte für die Busflotte bieten sich der Innovationspark Rheinland für das untere und mittlere Ahrtal und das brachliegende Gelände des ehemaligen Bahnbetriebswerk Kreuzberg für die obere Ahr und die VG Adenau an. Eine einfache Tarifstruktur sowie Touristenkarten für die Benutzung der Busflotte bei freiem Eintritt in Kurpark, Museen und Nürburgring wären der Akzeptanz des ÖPNV förderlich.
Im Bereich der unteren Ahr muss überlegt werden, ob eine wieder instand gesetzte Stummelstrecke von Remagen bis Walporzheim auf Dauer wirtschaftlich ist oder ob nicht umweltfreundliche Buslinien mit besserer Anbindung der Ortszentren günstiger ist. Bei Einstellung des Bahnverkehrs könnte die Stummelstrecke für Touristikfahrten mit historischen Sonderzügen genutzt werden.
Als zweite Säule eines umweltfreundlichen Verkehrs im Ahrtal müssen die vorhandenen Radwege ausgebaut werden, nach Möglichkeit bis an den Nürburgring. Wo immer es geht, sollte dazu wie bisher die Trasse der Ahrtalbahn genutzt werden. Die historischen Bahnhöfe an der Strecke werden dann zu schmucken E-Bike-Ladestationen und Erfrischungsständen.