Nur ein paar Gedankensplitter zu Ursachen und Folgen der Ahr-Flut sowie notwendigen Denkansätzen beim „Wiederaufbau“ ohne „Denkverbote“!
Das Flut-Hochwasser hat in allen Teilabschnitten der Ahr (Junge Ahr, obere Ahr, Mittelahr und untere Ahr) „erwartungsgemäß oder naturgemäß“ dort die größten materiellen Schäden (neben dem menschlichen Leid) verursacht, wo das Gewässer den wenigsten natürlichen (heute eher: naturnahen) Raum bzw. Flächen hat(te) – gewiss keine Überraschung – und auf den größten Widerstand an Bauten (Brücken, Gebäude, Mauern und Verkehrseinrichtungen, aber auch zu große, alte und altersschwache Bäume) getroffen ist!
Insgesamt gilt es in Zukunft, den Stromstrich von Gewässern nach aller lokal-regionaler Möglichkeit intelligent ingenieur-(bio-)technisch so „weich und flexibel“ zu gestalten und an den vom letzten Hochwasser vorgezeichneten Weg anzupassen, damit das aus ökologischen Gründen „notwendige“ Hochwasser („Ein Fließgewässer ohne Hochwasser wäre ein ökologisch totes Gewässer“) langsam „verebben“ kann – vom heutigen Deichbau an der Nordsee ließe sich einiges lernen! Es braucht: Raum bzw. Fläche!
Und das gilt nicht nur für die Ahr selbst, sondern auch für die große Zahl von kleinen und großen Zuflüssen im Einzugsbereich von etwa 900 Quadratkilometern und bundeslandübergreifend!
Ja gewiss, es braucht dazu mehr Raum bzw. Fläche, als die Ahr zuletzt hatte! Eine entsprechende Planung in der Siedlungspolitik im gesamten Einzugsbereich der Ahr (etwa 900 Quadratkilometer) ist absolut erforderlich!
Viele Gebäude und andere Einrichtungen (Verkehrseinrichtungen) gründen auf Geröllmaterial wie Kies oder Lava mit relativ geringmächtigem Unterbau (meist nur bis zu einer Frosttiefe bis zu 80 cm) und werden „Spielmaterial“ für solche Wassermassen! Neuralgische Hochwasserbereich müssen anders (wie?) gesichert werden!
Beispiel: Die Hahnensteiner Mühle eingangs Insul an der Oberahr hat ähnlichen Hochwassern wie kürzlich in den Jahren 1804 und 1910 widerstanden: Ihre Mauern gründen nach Schätzung auf mehr als zwei Metern und auf dem anstehenden Fels!
Der Brückenbau moderner Zeit muss auf den Prüfstand! In vielen Fällen sind die locker aufliegenden Brückenköpfe über- und umspült worden, so dass die Fundamente weggebrochen sind!
Beispiel: Die Brücke in Dümpelfeld! Hier kommt hinzu, dass der Adenauer Bach vor der Brücke mündet und seine Hochwassermassen (geschätzt etwa 3,50 Meter an den Überschwemmungspuren an Bäumen und Gebüschen) mit voller Last auf die Brücke auftreffen konnte und sie zerstörten! Eine Mündung hinter einer eventuellen neuen Brücke scheint erforderlich!
Zum Schluss: Der Tourismus an der Ahr könnte von einer konsequent naturnah gestalteten „neuen“ Landschaft enorm profitieren! Es braucht Mut zu einem neuen Anfang mit vielen Akteuren, die sich zu einem angepassten Wiederaufbau an den Kriterien der Nachhaltigkeit orientieren: Ökologische, soziale und wirtschaftliche Aspekte!
Winfried Sander, BUND